Wir befinden uns in einigen Bundesländern inmitten der Sommerferien und viele von euch dürften bereits auf dem Weg in den Urlaub sein. Wir persönlich erkunden schon seit Jahren mit dem selbst ausgebauten Camper Europa. Natürlich möchten wir auch unterwegs nicht auf die Sicherheit und den Komfort unseres Smarthomes verzichten und haben deshalb die ein oder anderen HomeKit-Geräte mit an Bord. Welche Geräte wir auch unterwegs nutzen, möchten wir dir in diesem Beitrag zeigen.

Mobiles Internet

Damit die intelligenten Funktionen auch unterwegs vollumfänglich genutzt werden können, wird ein WLAN mit Internetverbindung benötigt. Haben wir 2017 noch SIM-Karten in den jeweiligen Ländern vor Ort gekauft, reicht inzwischen eine zweite SIM-Karte unseres Mobilfunkvertrags.

Als mobilen Router nutzen wir aktuell die FRITZ!Box 6820 LTE. Goldstandard wäre hier der Nighthawk M5 von Netgear, der Preis von aktuell über 800€ hat uns allerdings etwas abgeschreckt. Die FRITZ!Box kommt mit einem 12V DC Netzteil und kann somit, entsprechend abgesichert, direkt mit der Wohnraumbatterie verbunden werden.

FRITZ!Box 6820 LTE als mobiler Router im Camper

Da wir einen Lithium-Akku und ein Solarmodul verbaut haben, merken wir den Stromverbrauch des LTE-Routers kaum. Der mobile Router ist dauerhaft eingeschaltet und das integrierte BMS unserer Wohnraumbatterie zeigt keinen Verbrauch an.

Home Hub

Möchte man Apple HomeKit sinnvoll einsetzen, wird zudem ein Home Hub benötigt. Dieser ermöglicht den Fernzugriff, führt Automationen aus und verschlüsselt die Aufnahmen von HomeKit Secure Video Kameras.

HomePod mini im Camper Stromversorgung

Wir verwenden dafür einen HomePod mini, der gleichzeitig als Lautsprecher in unserem Camper dient. Den Strom bezieht der HomePod mini über USB-C. Wir haben dazu diesen USB-C Schnellladeadapter verbaut, der genügend Strom liefert.

HomePod mini Camper Stromversorgung

Wird keine Musik abgespielt, verbraucht der HomePod mini so gut wie keinen Strom. Andernfalls variiert der Stromverbrauch je nach Lautstärke.

Licht

Bei der Deckenbeleuchtung standen wir zunächst vor einem Problem. Unsere Deckenpaneele bestehen aus 6mm Multiplex und wir wollten einen durchgängigen LED-Streifen. Durch die geringe Aufbauhöhe würde man bei einem herkömmlichen Light Strip allerdings trotz des Aluminium-Profils mit Diffusor die einzelnen LEDs sehen.

HomeKit COB Light Strip

Angesichts dessen haben wir uns schlussendlich für einen 12V COB LED-Streifen entschieden, den wir über einen Shelly RGBW2 mit HomeKit-Firmware steuern. Am Shelly haben wir zusätzlich einen Kippschalter angeschlossen. Somit kann die Deckenleuchte sowohl über den Kippschalter als auch über HomeKit gesteuert werden. Der Kippschalter sendet dabei lediglich ein Signal an den Shelly und unterbricht die Stromversorgung nicht, wodurch dieser dauerhaft mit Strom versorgt wird und über HomeKit immer erreichbar bleibt.

Kippschalter am Shelly RGBW2 angeschlossen

Möchtest du nicht den Umweg über einen Shelly gehen, empfehlen wir dir HomeKit-Leuchtmittel mit einer Spannungsversorgung von 12V DC zu nehmen, wie den Meross Light Strip MSL320HK (Pro) oder ONVIS K1 Kameleon Light Strip. Diese kannst du, entsprechend abgesichert, direkt mit der Wohnraumbatterie verbinden. Alternativ kannst du auch Leuchtmittel nutzen, die per USB mit Strom versorgt werden, wie der Cololight Strip.

Wassermelder

Ein Wasserschaden im Camper bzw. Wohnmobil ist der Graus eines jeden Campers. Desto früher ein Leck entdeckt wird, desto besser kann ein weitreichender Schaden verhindert bzw. schnell behoben werden. Ebendarum haben wir uns dazu entschieden, einen HomeKit-Wassermelder zu verbauen.

Damit bekommt man einen Wasserschaden nicht nur sofort mit, wenn man sich vor Ort befindet, sondern wird auch aus der Ferne gewarnt. Da wir einen batteriebetriebenen Wassermelder haben wollten, den wir mit dem Sensorkabel des Eve Water Guards ausstatten können, haben wir uns für einen Aqara Wassermelder entschieden.

Das Sensorkabel haben wir über diesen Adapter mit den zwei Kontakten des Wassermelders verbunden und anschließend auf dem Boden im Schrank unserer Wasserversorgung ausgelegt. Wird das Kabel an irgendeiner Stelle feucht, löst der Wassermelder aus.

Wie bei Aqara üblich, wird ein entsprechender Hub benötigt. Da die Auswahl der angebotenen Sensoren jedoch vielfältig und der Wassermelder nicht das einzige Gerät von Aqara ist, das wir in unserem Camper nutzen, nehmen wir das in Kauf. In unserem Fall nutzen wir den Aqara Camera Hub G2H Pro, den wir noch ungenutzt im Schrank liegen hatten. Kannst du auf die HomeKit Secure Video Kamera verzichten, dürfte der deutlich einfachere Aqara Hub E1 interessant sein. Einen Überblick mit einem Funktionsvergleich der verschiedenen Hubs findest du in diesem Beitrag.

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität

Die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität zu überwachen, hat in einem Camper ganz eigene Vorteile. Zum einen ist die Dämmung nicht mit der in einem Haus vergleichbar, wodurch die Temperatur deutlich schneller steigt. Muss man im Urlaub etwa während dem Einkaufen den Hund für eine kurze Zeit im Auto alleine lassen, sollte man die Temperatur nie aus dem Blick verlieren. Im Winter spielen hingegen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine wichtige Rolle. Mit den richtigen Automationen kann man sich frühzeitig warnen lassen, bevor Wasserleitungen zufrieren.

Doch auch im Kühlschrank kann ein Temperatursensor durchaus sinnvoll sein, um diesen zu überwachen. Dadurch kann der Kühlschrank besser eingestellt werden und mit der passenden Automation bekommt man schnell mit, wenn der Kühlschrank etwa durch eine geringe Batteriekapazität abgeschaltet wurde.

Auch die Luftfeuchtigkeit kann aufgrund der diffusionsdichten Bauweise und dem kleinen Raum deutlich schneller ansteigen. Nachts verliert jeder Mensch mindestens einen Liter Schweiß. Dank der Aufzeichnung der Luftfeuchtigkeit kann man schnell erkennen, ob die vorhandenen Lüftungsmöglichkeiten ausreichen oder in der Nacht zusätzlich ein Fenster geöffnet werden sollte.

Zudem ist die Luftqualität sehr interessant. Durch den begrenzten Raum muss deutlich häufiger gelüftet werden, als man denkt. Doch auch für Selbstausbauer ist der Wert sehr spannend. Nicht immer entscheidet man sich für die schadstoffärmsten Materialien, wodurch die Luftqualität gerade bei sommerlichen Temperaturen schnell sehr schlecht werden kann.

Wir haben uns zur Überwachung des Wohnraums für den Aqara TVOC entschieden, der uns alle drei Messwerte gleichzeitig anzeigt. Im Kühlschrank haben wir zusätzlich einen einfachen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor von Aqara liegen.

Rauch- und Kohlenmonoxidmelder

Die Sicherheit darf in einem Camper natürlich nicht zu kurz kommen. Die Horrorgeschichten, bei denen Einbrecher Betäubungsgase in ein Fahrzeug leiten, um anschließend ganz in Ruhe die Wertgegenstände mitzunehmen, halten wir für wenig plausibel.

Wir sehen die Gefahren eher bei Feuer bzw. bei der unvollständigen Verbrennung. Der obligatorische Rauchmelder, in unserem Fall von Eve Systems, hängt natürlich an der Decke. Da wir jedoch auch mit Gas kochen und eine Benzin-Standheizung von Webasto verbaut haben, befindet sich zudem ein CO-Melder in unserem Camper.

Kohlenmonoxid entsteht bei der unvollständigen Verbrennung und ist farb- und geruchslos. Wir haben uns schon vor langer Zeit für einen CO-Melder von Fibaro entschieden. Müssten wir uns heute für ein Gerät entscheiden, würden wir jedoch eher den Netatmo Kohlenmonoxidmelder nehmen. Dieser hat erst kürzlich die Zertifizierung EN50291-2:2019 erhalten und ist somit für den Betrieb in Freizeitfahrzeugen geeignet.

Alarmanlage

Über den Hub von Aqara haben wir auch gleich ein Sicherheitssystem in HomeKit. Damit können wir zwischen den Zuständen “Zuhause”, “Abwesend”, “Nacht” und “Aus” unterscheiden. Mit der passenden Automation kann etwa ein Bewegungsmelder auf dem HomePod mini einen Alarm abspielen, wenn das Sicherheitssystem auf “Abwesend” steht.

An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass die Statusänderung des Sicherheitssystems nicht automatisch anhand der anwesenden Personen gesteuert werden kann. Das Fahrzeug wird schließlich häufig bewegt und eine sogenannte “Homezone”, also einen festen Ort, gibt es nicht. Stattdessen muss der Status manuell, etwa über einen Schalter, Siri oder eine HomeKit-App, geändert werden.

Abwassertank

Auch vor dem Abwassertank macht Siri bei uns keinen halt. Erst vor wenigen Wochen haben wir die Zemismart Ventilsteuerung an unserem Abwassertank unter dem Fahrzeug montiert. In Kombination mit dem Zemismart Hub können wir somit den Abwassertank über Siri entleeren und müssen an der Entleerungsstation nicht mehr unter das Fahrzeug kriechen.

Zemismart Ventilsteuerung Abwassertank

Stromverbrauch

Ein wichtiger Punkt, über den wir uns anfänglich viele Gedanken gemacht haben, ist der Stromverbrauch. Dauerhaft an unsere Wohnraumbatterie angeschlossen ist der LTE-Router, der HomePod mini, der Aqara Camera Hub G2H Pro, der Zemismart Hub, die Zemismart Ventilsteuerung und der Shelly RGBW2.

Wir haben eine 100Ah Lithium-Batterie sowie ein 165W Solarmodul verbaut. Zusätzlich wird die Wohnraumbatterie während der Fahrt über die Lichtmaschine geladen. Doch selbst im Winter, als das Fahrzeug für einige Wochen stand, war die Batterie jederzeit über 90% gefüllt. Einen tatsächlichen Verbrauch konnten wir über das BMS unserer Lithium-Batterie erst bei laufender Musik über den HomePod mini feststellen. Daher machen wir uns über den geringen Stromverbrauch der Smarthome-Geräte keine Gedanken mehr.

Weitere Ideen

Wir haben zwar bereits einiges in unserem Camper smart gemacht, es gibt allerdings auch noch zahlreiche weitere Möglichkeiten. Zum einen könnte man Fenster und Türen mit Kontaktsensoren ausstatten. Damit kann die Alarmanlage noch zielgerichteter als mit dem Bewegungsmelder ausgelöst werden. Übrigens empfiehlt es sich zudem, auch die Dachbox mit einem entsprechenden Sensor auszustatten.

Besonders spannend finden wir außerdem die Integration des Wechselrichters von Victron Energy. Eat Sleep Van (in den Kommentaren) hat über MQTT und Homebridge auf einem Raspberry Pi den Schalter für den Wechselrichter und den Ladezustand der Batterie in HomeKit eingebunden. Zugegebenermaßen handelt es sich dabei um eine ziemliche Bastelei. Einmal eingerichtet kann man aber so den Wechselrichter über Siri einschalten sowie den Ladezustand der Batterie abfragen.

Wir liebäugeln noch mit der Einbindung der Zentralverriegelung in HomeKit. Damit könnte man am Meer den Schlüssel (versteckt) im Fahrzeug lassen und Siri nicht nur Zuhause für die Haustür nutzen, sondern auch unterwegs zum Öffnen der Campertür verwenden. Die Idee ist einen Shelly an die Steuerung der Zentralverriegelung anzuschließen, der bei Betätigung einen kurzen Impuls zum Auf- bzw. Abschließen gibt. Bislang handelt es sich jedoch noch um eine vage Idee.

Vorteile

Doch welche Vorteile bietet HomeKit in einem Camper bzw. Wohnmobil, außer den inneren Spieltrieb zu befriedigen? Da würden wir ganz klar zwischen den Gerätetypen unterscheiden. Sicherheitsrelevante Geräte, darunter Rauch- und Kohlenmonoxidmelder, geben einem nicht nur ein gutes Gefühl, sondern retten im Ernstfall sogar leben. Auch über die Kamera jederzeit einen kurzen Blick in das Fahrzeug werfen zu können, hat uns in der ein oder anderen Situation schon beruhigt.

Ohne Temperatursensor würden wir zudem im Sommer selbst beim Einkaufen unseren Hund noch nicht mal für wenige Minuten alleine im Fahrzeug lassen. Die Temperaturwarnung im Winter kann zudem bares Geld sparen. Das weiß jeder, der schon einmal dank gefrorener Leitungen und gesprengtem Warmwasserboiler die Geräte austauschen durfte. Unser Wassermelder hat sogar schon einmal ausgelöst und uns frühzeitig auf ein kleines Leck in einer Leitung hingewiesen. Hätten wir das Leck nicht so früh erkannt, und es hätte kontinuierlich weiter getropft, hätten wir irgendwann einen größeren Wasserschaden gehabt.

Andere Geräte erhöhen hingegen den Komfort. Das Licht kann nicht nur über Siri gesteuert werden. Wird am Bett ein weiterer Schalter zur Steuerung benötigt, kann einfach ein kabelloser Schalter in wenigen Minuten installiert werden. Der Schalter zur Entleerung des Abwassertanks kann hingegen bei dem Fahrersitz angebracht werden. Ist man sich doch mal unsicher, ob man genau über der Entsorgungsstation steht, nimmt man den magnetischen Schalter einfach mit und schaut noch einmal kurz unter das Fahrzeug bevor man das Abwasser ablässt.

Fazit

Ob einem dass das Geld am Ende wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Bei uns ist es ganz klar die Mischung aus Spieltrieb, Sicherheit, Komfort und letztendlich natürlich auch SmartApfel, der uns zur Installation zahlreicher HomeKit-Geräte in unserem Camper bewogen hat.

Und nun wünschen wir dir einen erholsamen Urlaub 😊

Über Yannic

Gründete 2015 zeitgleich mit der Veröffentlichung der ersten HomeKit-Geräte „SmartApfel“, damals noch unter dem Namen „HomeKit.tips“.
Ist viel unterwegs und arbeitet gerne auch an den unterschiedlichsten Orten.

Kümmert sich nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die technische Umsetzung.

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