Da die Smart Home Zentrale „Homey“ die verbundenen Geräte auch inoffiziell in HomeKit einbinden kann, haben wir uns die eierlegende Wollmilchsau mal genauer angesehen und möchten unsere Erfahrungen mit euch teilen.

Die Geschichte von Homey

Homey ist das Produkt des niederländischen Unternehmens „Athom“, das ursprünglich mal über Corwdfunding finanziert wurde. Über 200.000€ kamen damals auf Kickstarter zusammen.

Das ursprüngliche Design ist geblieben. Die inneren Werte haben sich seitdem jedoch verändert. WiFi, Bluetooth Low Energy, Zigbee, Z-Wave, 433 MHz, 868 MHz und Infrarot spricht Homey noch immer. NFC und das ursprünglich verbaute Mikrofon wurden gestrichen.

Homey hat sich seitdem eben weiterentwickelt. Manche Ideen sind geblieben, andere mussten Platz machen für neues. Mit der Anfang des Jahres veröffentlichten Firmware Version 2.0 geht Athom einen neuen Weg: Mobile First.

In Version 1 musste man noch sämtliche Konfigurationen auf dem Rechner bzw. im Browser vornehmen. In der neuen Version läuft das alles über eine App. Ein logischer Schritt, der jedoch nicht bei allen auf offene Arme stieß. Ob das Produkt nun besser oder schlechter geworden ist, können wir nicht beurteilen. Wir konnten nur völlig unvoreingenommen die aktuellste Version testen.

Ersteindruck

Für knapp 300€ bekommt man eine Kugel, die nicht im Schrank versteckt werden muss. Das Design wirkt ansprechend und der Leuchtring kann den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Ob knallbunt, einfarbig, rotierend oder pulsierend: Der Leuchtring sieht nicht nur gut aus, sondern kann auch in Automationen, die Athom „Flows“ nennt, eingebunden werden.

Homey 2.0 mit App

Die Einrichtung war kinderleicht und die einzelnen Schritte gut erklärt. Man muss jedoch zwingend einen Benutzeraccount anlegen. Ohne diesen kann man Homey nicht hinzufügen.

Die App ist selbsterklärend, allerdings momentan nur auf Englisch verfügbar. Athom hat uns jedoch bestätigt, dass aktuell an einer deutschen Übersetzung gearbeitet wird.

Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten hatten wir uns sehr auf Homey gefreut. Eine solche Vielfalt kennen wir bislang von keinem anderen Produkt.

Geräte hinzufügen und Apps installieren

Um Geräte über Homey zu steuern, müssen diese zunächst hinzugefügt werden. Bei mehr als 50.000 unterstützen Geräten muss man zunächst den Hersteller über eine Suche finden. Anschließend noch das Gerät auswählen und schon wird eine App zur Unterstützung des Geräts installiert

Homey neues Gerät hinzufügen

Solche Apps können sowohl von Homey als auch von anderen Entwicklern stammen. Homey zeigt sich nämlich erstaunlich offen und bietet interessierten Entwicklern ein eigenes Software Development Kit an.

Wird ein Gerät also noch nicht unterstützt, könnt ihr die Homey Integration einfach selbst entwickeln. Vorausgesetzt natürlich, ihr könnt mit JavaScript und Node.js umgehen.

Apps können jedoch nicht nur neue Geräte einbinden, sondern auch Services, wie beispielsweise IFTTT, Weather Underground oder Slack. Sogar Wikipedia und Google Maps werden unterstützt.

Homey Neue App hinzufügen

Über die App „Soundboard“ können MP3 Dateien hinterlegt werden, die dann in den Flows abgespielt werden können. Die Möglichkeiten sind wirklich vielfältig. Welche Apps bislang angeboten werden, könnt ihr hier einsehen.

Flows, Tags und Logik

Flows, unter HomeKit Automationen genannt, ermöglichen die eigentliche Magie. Wie bei fast allen Smart Home Systemen, funktioniert auch unter Homey die eigentliche Automation nach dem Wenn-Dann-Prinzip.

Kommt jemand nach Hause, schließe die Tür auf. Betritt jemand den Raum, schalte das Licht ein. Gibt es einen neuen Podcast und ich bin Zuhause, dann spiele diesen ab. Das Prinzip ist nichts Neues und jedes installierte Gerät oder jeder installierte Service kann hier genutzt werden.

Homey Neuen Flow hinzufügen

Interessant wird es bei „Tags“. Diese sind nichts anderes als Variablen und können im gesamten Flow genutzt werden. Möchtet ihr also morgens beim Aufstehen mit einer Zusammenfassung geweckt werden, dann kann euch Homey diese Vorlesen.

Ihr verfasst einfach euren eigenen Text und streut dort Tags ein mit dem aktuellen Wetter, wer sich noch Zuhause befindet oder ob schon jemand Kaffee gekocht hat. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wem das jedoch nicht reicht, für den ist die „Logik“ eventuell etwas. Darin können nämlich Variablen angelegt werden, die über dem Flow hinaus verfügbar sind. Gehen wir also mal davon aus, es erscheint ein neuer Podcast. Ihr speichert diesen in einem Flow in einer Logik Variablen.

Nun erstellt ihr einen weiteren Flow, der ausgelöst wird, wenn ihr nach Hause kommt. Darin könnt ihr dann auf die Variable mit dem Podcast zugreifen und diesen abspielen. Das war natürlich nur ein wirklich einfaches Beispiel. Mit den Logik Variablen könnt ihr genauso gut sehr komplexe Automationen über zahlreiche Flows hinweg entwickeln.

Geräte in HomeKit einbinden

Kommen wir nun zum wohl interessantesten Teil: Die Apple HomeKit Integration. In den Einstellungen kann unter „Experiments“ HomeKit aktiviert werden. Anschließend kann man Homey mit dem Code 111-22-333 zu HomeKit hinzufügen.

Homey zu HomeKit hinzufügen

Zudem gibt es auch zwei unterschiedliche Apps aus der Community, die eine HomeKit Integration ermöglichen. „HomeKit“ von Sprut1 haben wir nicht ans Laufen bekommen. „HomeyKit“ von Robert Klep läuft hingegen tadellos.

Doch was sollte man nun verwenden? Die Integration von Athom oder von Robert Klep? Hätten wir „HomeKit“ von Sprut1 ans Laufen bekommen, hätten wir vermutlich diese App verwendet. Denn laut Beschreibung werden von dieser App am meisten Geräte zu HomeKit durchgereicht.

Doch auch „HomeyKit“ von Robert Klep hat, zumindest in unserem Fall, mehr Geräte unter HomeKit angezeigt, als die von Athom selber. HomeyKit hatte zusätzlich den Lichtsensor von einem Aqara Bewegungsmelder und einen virtuellen Schalter angezeigt. Folgende Geräte werden von HomeyKit unterstützt:

  • Lichter (mit RGB oder Temperatur)
  • Steckdosen
  • Schalter
  • Bewegungssensoren (mit Lux und Temperatur)
  • Türschlösser
  • Tür-/Fenstersensoren (mit Temperatur)
  • Thermostate
  • Jalousien
  • Taster

Unter HomeKit können die Geräte dann ganz normal gesteuert und auch in Automationen verwendet werden. Mithilfe von „virtuellen Schaltern“ könnt ihr zudem auch andere Informationen an HomeKit weiterleiten. Möchtet ihr beispielsweise wissen ob es regnet, legt einen virtuellen Regen-Schalter an, den ihr über Flows entsprechend setzt. Auch hier dürft ihr wieder kreativ werden.

Fazit

Homey ist vollgepackt mit Technik. So reicht beispielsweise ein einfacher Schalter aus, um eine smarte Klingel zu realisieren. Über Flows könnt ihr eine Benachrichtigung senden und über den internen Lautsprecher auch gleich einen Sound abspielen.

Homey ist einfach ein sehr vielseitiges Gerät und die Community trägt ihren Teil dazu bei. Die zahlreichen Apps und Möglichkeiten laden geradezu dazu ein, wirklich alles in seinem eigenen Zuhause zu automatisieren.

Der größte Vorteil von Homey ist jedoch zugleich auch der größte Nachteil. Für die Weiterentwicklung der Apps aus der Community sind selbstverständlich die Entwickler selbst zuständig. Hat dieser keine Lust mehr, das Gerät verkauft oder ist sogar auf eine andere Smart Home Plattform umgestiegen, wird das Plugin nicht mehr weiterentwickelt und funktioniert im schlimmsten Fall irgendwann gar nicht mehr.

So ist es bei dem Sprung auf Version 2 passiert, dass zahlreiche Apps unter der aktuellsten Version von Homey nicht mehr laufen. Immer wieder kam es in unserem Test vor, dass wir eine App nicht installieren konnten.

Allerdings arbeiten einige Entwickler auch noch an einem Update. Den großen Versionssprung gab es schließlich erst Anfang des Jahres.

Solltet ihr entweder nicht ausschließlich auf HomeKit setzen oder Geräte in HomeKit einbinden wollen, die offiziell noch nicht unterstützt werden, dann solltet ihr euch Homey mal genauer ansehen. Wir würden die Smart Home Zentrale irgendwo zwischen Plug-and-Play-User und Bastler ansiedeln.

Falls euch also die Möglichkeiten unter HomeKit nicht ausreichen, Homebridge jedoch als zu kompliziert empfindet, dann ist Homey vermutlich genau die richtige Mischung.

Homey bekommt ihr für 299€ direkt beim Hersteller. Für 399€ könnt ihr zudem Homey Pro vorbestellen, auf dem ihr dann nicht nur bis zu 20 unterschiedliche Apps installieren könnt, sondern dank der besseren Leistung insgesamt mehr als 40.