Homebridge installieren: Schritt 1 – Raspberry Pi vorbereiten

turnMit Homebridge kannst du deinen HomeKit Gerätepark auch um nicht zertifizierte Geräte erweitern. Im ersten Schritt erklären wir, was Homebridge genau ist, was du von dieser Anleitung erwarten darfst und wie du deinen Raspberry Pi richtig vorbereitest. Im zweiten Schritt werden wir dann Homebridge installieren und im letzten Schritt Homebridge mit entsprechenden Plugins ausstatten. Solltest du an einer Stelle mal nicht weiterkommen, kannst du jederzeit in unserer Community dein Problem schildern.

Was ist Homebridge?

Homebridge ist eine Software, die so programmiert ist, dass sie als „Service“ auf einem Computer läuft. Als Service (deutsch: Dienst) bezeichnet man Programme, die im Hintergrund laufen und eine Schnittstelle in ein Netzwerk anbieten, die andere Computer zum Austausch von Daten verwenden können.

Bekannte Beispiele sind der Webserver oder der Mailserver. Zu beiden verbindet sich dein Computer, um eine Web-Seite oder eine Mail herunterzuladen und dann anzuzeigen.

So ähnlich funktioniert auch die Homebridge. Dein iPhone lädt von dort Daten herunter und zeigt sie in einer HomeKit-App an. Die heruntergeladenen Daten beinhalten den Status von Geräten, die über die Homebridge gesteuert werden, beispielsweise ob ein Gerät ein- oder ausgeschaltet ist oder welche Umdrehungszahl dein Ventilator hat. Das iPhone lädt auch Daten auf die Homebridge, nämlich Statusänderungen wie Gerät ausschalten, heller machen, schneller drehen, etc.

Die Aufgabe von Homebridge ist es, nicht HomeKit-fähige Geräte HomeKit-fähig zu machen. Das Programm ist also eine Art Übersetzungsmaschine. Programmiert wurde Homebridge von Nick Farina, der einfach nicht darauf warten wollte, dass Hersteller das HomeKit-Protokoll vielleicht irgendwann in ihre Geräte implementieren. Ich glaube nicht, dass er selbst jemals mit großem Erfolg gerechnet hat, aber da man die Homebridge mit so genannten Plugins erweitern kann, passiert das nun nahezu ununterbrochen durch andere Programmierer. Und da sind schon so einige fähige Leute dabei. In nahezu allen Fällen erweist sich die Homebridge als sehr stabil und frustfrei.

Was ist diese Anleitung?

Diese Anleitung ist vor allem lang. Lass dich dadurch nicht entmutigen. Sie führt dich mit Abbildungen Schritt für Schritt von einem neuen Raspberry Pi, der ab sofort nur noch Raspi genannt wird, bis zu einer funktionstüchtigen Homebridge. Zusätzlich zeigt sie dir, wie du das Homebridge-Plugin homebridge-config-ui-x installierst. Es bietet dir eine Benutzeroberfläche im Browser, mit der du deine Homebridge verwalten kannst.

Du wirst mit dem Terminal-Programm deines Macs arbeiten müssen. Das findest du in deinem Programme-Ordner und dort im Unterordner Dienstprogramme. Im Terminal wirst du Befehle auf einer Shell eingeben. So wird die Oberfläche auf Linux-basierten Computern genannt, in dem du Befehle absetzen kannst.

In dieser Anleitung werden diese Befehle immer so dargestellt (Beispiel):

Du kannst den Befehl aus der Anleitung kopieren und im Terminal einsetzen. Danach drückst du die Entertaste. Versuch’s mal.

Benötigte Komponenten

Bevor du mit der Anleitung beginnen kannst, musst du dir natürlich einen Raspberry Pi, ein Netzteil, eine SD Karte und optional ein Gehäuse zulegen. Im Folgenden eine Übersicht der Komponenten, die wir in dieser Installation verwenden. Die Links führen euch direkt zu den Produkten bei Amazon. Wahlweise kannst du auch auf dieses Starterset zurückgreifen.

Raspberry Pi vorbereiten

Installation des Betriebssystems Raspbian

Als Erstes musst du das Betriebssystem herunterladen. Ich empfehle Raspbian Stretch Lite. Diese Version bietet keine grafische Benutzeroberfläche an. Der Raspi ist klein und es ist in meinen Augen unnötig, eine grafische Benutzeroberfläche in den Arbeitsspeicher zu laden, die dann am Ende niemand nutzt.

Du findest das Betriebssystem hierLade es auf deinen Mac herunter. Du findest nach dem Download die Datei 2018-10-09-raspbian-stretch-lite.img in deinem Download-Ordner. Der Dateiname kann ein anderer sein: je nachdem wann die letzte Version veröffentlicht wurde, ändert sich das Datum im Dateinamen.

Raspberry Pi Raspbian Stretch installieren

Um das Betriebssystem auf die SD-Card des Raspi zu brennen, benötigst du einen SD-Card-Slot in deinem Mac oder ein externes Gerät. Außerdem benötigst du eine Software, um die SD-Card zu flashen. Ich benutze dazu Etcher, das du hier bekommst.

Das Flashen ist sehr einfach und dauert keine fünf Minuten. Du musst nur die SD-Card in den Slot schieben, dann das Image 2018-10-09-raspbian-stretch-lite.img aus dem Download-Ordner wählen, den richtigen SD-Card-Slot wählen (falls du mehrere haben solltest) und auf Flash! klicken. Der Rest geht dann völlig von allein.

Netzwerk-Konfiguration

Um den Raspi zu konfigurieren, muss man normalerweise eine Tastatur und einen Monitor anschließen. Das sparen wir uns und machen eine so genannte headless configuration.

Möglicherweise ist die geflashte SD-Card mit dem Namen boot auf deinem Desktop aufgetaucht. Wenn nicht, musst du sie mit dem Festplattendienstprogramm aktivieren.

Festplattendienstprogramm

Wähle auf der linken Seite boot aus und klicke dann oben auf Aktivieren. Nun sollte auf deinem Desktop ein Icon mit dem Namen boot erscheinen.

Wenn du da doppelt drauf klickst, öffnet sich ein Fenster mit diesem Inhalt:

Raspbian Stretch boot Content

Hier musst du nun zwei Dateien hinzufügen. Das geht am besten mit dem Terminalprogramm. Starte Terminal. Ein Fenster öffnet sich, in dem du Eingaben machen kannst. Dein Terminalprogramm präsentiert sich wahrscheinlich weiß mit schwarzer Schrift. In dieser Anleitung ist es genau anders herum. Spielt aber keine Rolle.

Als erstes legst du eine leere Datei mit dem Namen ssh an.

 shell touch ssh

Die erste Datei ist damit angelegt. Nun zur zweiten, die ist schon etwas trickreicher. Diese Datei enthält Text, daher musst du nun im Terminal den Editor nano benutzen.

Der Editor startet und zeigt außer seiner Menüleiste am unteren Ende nichts weiter an. Füge nun in den leeren Editor diese Zeilen ein:

Achtung: du musst hier die Daten deines Netzwerkes eingeben. Hinter ssid= kommt der Name deines WLANs hin und hinter psk= das Passwort für dein WLAN. Etwa so:

wpa_supplicat.conf content

Alles andere bleibt so, wie es ist.

Du speicherst die Datei ab, in dem du ctrl-x drückst, und danach y und dann die Entertaste.

Fertig. Wirf nun die SD-Card aus, indem du sie auf den Mülleimer ziehst (also genauso wie bei einem USB-Stick). Dann nimm sie aus dem SD-Card-Slot.

Raspi starten

Stecke die SD-Card in den Slot deines ausgeschalteten Raspi. Achte darauf, dass sie sich nicht verkantet. Übe keine Gewalt aus. Wenn sie eingelegt ist, schalte den Raspi ein.

Beim Start versucht der Raspi nun, sich mit deinem WLAN zu verbinden. Falls du einen Monitor angeschlossen hast, kannst du ihm dabei zusehen. Es dauert etwa 60 Sekunden, bis der Raspi bereit ist.

Raspi im Netz suchen

Nachdem der Raspi gestartet ist, kann man ihn mit seiner IP-Adresse im Netzwerk erreichen. Aber welche IP-Adresse hat er erhalten? Besitzer einer Fritz!Box können die danach fragen, aber nicht jeder Router rückt die Information über angeschlossene Geräte heraus. Vor allem das Airport-Dienstprogramm ist in dieser Hinsicht zickig.

Man kann sich behelfen mit dem Programm LanScan, das du im MacAppStore findest. Lade es herunter, wenn du die IP-Adresse deines Raspi nicht finden kannst.

Nach dem Start von LanScan drückst du oben links auf den Pfeil und das Programm listet alle Geräte in deinem WLAN auf. Das sieht etwa so aus.

LanScan

LanScan hat den Raspi gefunden – in der obigen Abbildung kann man das gut erkennen. Ganz links steht seine IP-Adresse. Die wird bei dir sicherlich eine andere sein.

Falls du den Raspi nicht finden kannst, dann ist etwas schief gelaufen beim Anlegen der zwei Dateien auf dem boot-Device. Dann musst du den Vorgang wiederholen: also Raspi ausschalten, SD-Card entnehmen, in den Mac einlegen und die beiden Dateien ssh und wpa_supplicant.conf neu erzeugen. Die wurden nämlich bei Booten des Raspi entfernt.

Die SD-Card mit Etcher neu flashen musst du nicht.

Erster Login

Jetzt, wo du die IP-Adresse des Raspis kennst, wird es Zeit für den ersten Login auf dem Raspi. Verbinden kannst du dich mit dem Programm ssh. Gib ein:

Natürlich musst du hier die IP-Adresse einsetzen, die du für deinen Raspi ermittelt hast. Nachdem du die Entertaste gedrückt hast, meldet sich der Raspi und will wissen, ob du dich wirklich verbinden willst. Tippe hier das Wort yes ein und drücke die Entertaste.

first login to raspi 1

Danach will der Raspi das Passwort für den Benutzer pi wissen. Das Passwort lautet raspberry. Gib es ein und drücke die Entertaste. Dann bist du auf dem Raspi eingeloggt.

first login to raspi 2

 

Viele Raspis haben das gleiche Passwort beim ersten Login. Das solltest du sofort ändern. Dazu rufst du das Programm passwd auf.

Passwd fragt dich erst nach dem aktuellen Passwort (raspberry). Gib es ein und drücke die Entertaste. Danach fordert dich passwd auf, ein neues Passwort zu vergeben. Gib eins ein und drücke die Entertaste. Du wirst aufgefordert, das neue Passwort noch einmal einzugeben. Tu das und drücke die Entertaste. Dabei wird keins der eingegebenen Passwörter auf dem Bildschirm angezeigt.

passwd

Der erste Schritt ist damit getan. Merk dir das Passwort, du wirst es gleich wieder brauchen.

Zeitzone einstellen

Damit die Uhr richtig geht, muss die Zeitzone eingestellt werden. Gib ein:

Zeitzone auf dem Raspberry Pi einstellen

Benutze die Cursortasten, um in der Liste hoch und runter zu navigieren. Wenn du die richtige geographische Region gewählt hast, drücke die Entertaste. Danach wirst du aufgefordert, eine Stadt in deiner Nähe auszuwählen. Navigiere genauso wie eben. Nachdem du die Entertaste gedrückt hast, kehrst du zum System-Prompt zurück und bist fertig.

Raspbian updaten

Es wird Zeit, dem Raspi die neueste Software zu verpassen. Dazu gibst du ein:

Nachdem das Update beendet ist, startest du das Upgrade:

Die Frage

beantwortest du einfach, indem du die Entertaste drückst.

Damit ist der Raspi jetzt einige Minuten beschäftigt. Warte ab, bis er fertig ist.

 raspbian update

SSH-Schlüsselerstellung und -installation

Dieser Schritt ist nicht unbedingt notwendig, um eine Homebridge zum Laufen zu bekommen. Er dient nur der zukünftigen Bequemlichkeit, weil du nie wieder dein Passwort eingeben musst, um dich auf dem Raspi einzuloggen.

Öffne ein zweites Terminalfenster (Menü Shell, Menüpunkt Neues Fenster, Unterpunkt Grass) Ein grünes Fenster öffnet sich. Dort gibst du ein:

Ssh-keygen wird einige Fragen stellen, die du einfach mit der Entertaste beantwortest. Auch den Anfrage Enter Passphrase drückst du mit der Entertaste einfach weg.

ssh-keygen

Zwei Schlüssel wurden dabei erstellt. Den Inhalt des einen musst du auf den Raspi übertragen. Das geschieht mit dem Befehl ssh-copy-id.

(natürlich musst du hier die IP-Adresse deines Raspis verwenden)

ssh-copy-id

Du wirst bei diesem Vorgang nach einem Passwort gefragt. Du gibst hier das neue Passwort für den Benutzer pi auf dem Raspi ein, jenes, das du vorhin mit passwd erstellt hast.

passwordless login

Das war’s. Wenn du dich das nächste Mal von deinem Mac auf den Raspi einloggen willst, wirst du nicht mehr nach einem  Passwort gefragt.

Fertig. Schließe das grüne Fenster. Du kannst nun im zweiten Schritt Homebridge installieren.

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